
Schöne Logos, schöne Grafiken, fragwürdige Resultate
Letzte Woche legte mir ein Kunde seinen Depotauszug auf den Tisch. Oben stand in schöner Schrift «Vermögensverwaltung». Unten stand eine Zahl, die nach zwölf Jahren kaum höher war als das, was er eingezahlt hatte.
Ich persönlich unterscheide zwischen Vermögensverwalter, die machen das, was das Wort sagt: Sie verwalten es einfach auf deine Kosten. Dann gibt es wenige in der Schweiz Vermögensvermehrer, die sind ihr Geld wert und schlagen seit Jahren den Marktdurchschnitt. Und dann gibt es leider auch Vermögensvernichter: legale Räuber, mit zu hohen Kosten, falschen Produkten, falschem Timing und keinem Marktgefühl.
1 % Zins, was macht das schon aus? Wetten, mehr als du denkst.
Nimm CHF 100’000. Keine weiteren Einzahlungen. Nur Geduld und Zinseszins. Und diesmal mit echten Durchschnitten statt Sparbuch-Zahlen.
Schweizer Aktien: rund 7,7 % pro Jahr seit 1926, nominal und mit reinvestierten Dividenden. Seit 1900 sind es rund 6,8 %. Nach Abzug der Inflation bleiben im Schnitt rund 5,6 %. (Pictet-Langzeitstudie)
Weltweit: der MSCI World liegt seit 1970 bei rund 7,7 % pro Jahr, in den letzten 40 Jahren bei rund 8,4 %. (Daten)
Darum rechnen wir jetzt mit realistischen Bandbreiten: 4 % für ein teuer verwaltetes Mischdepot, 7 bis 8 % für den langfristigen Aktiendurchschnitt, 9 bis 10 % für ein starkes Jahrzehnt.
| Rendite p.a. | Nach 20 Jahren | Nach 30 Jahren |
|---|---|---|
| 4 % | CHF 219’112 | CHF 324’340 |
| 7 % | CHF 386’968 | CHF 761’226 |
| 8 % | CHF 466’096 | CHF 1’006’266 |
| 9 % | CHF 560’441 | CHF 1’326’768 |
| 10 % | CHF 672’750 | CHF 1’744’940 |
Schau auf die Zeilen 7 % und 8 %. Ein einziges Prozent mehr pro Jahr macht nach 30 Jahren CHF 1’006’266 statt CHF 761’226. Das ist ein Unterschied von rund CHF 245’040 – bei identischem Einsatz und identischem Risiko.
Anders gesagt: Ein einziges Prozent pro Jahr kostet dich rund ein Viertel deines Endvermögens. Und wer statt der 7 % Marktdurchschnitt nur 4 % erwirtschaftet, landet bei CHF 324’340 statt CHF 761’226 – weniger als die Hälfte.
1 % ist keine Kleinigkeit. 1 % ist eine Eigentumswohnung. Oder der Unterschied zwischen «es reicht knapp» und «es reicht locker».
Deshalb ist die wichtigste Frage an deine Vermögensverwaltung nicht «Was ist deine Marktmeinung?», sondern «Was kostet mich das alles zusammen – jedes Jahr, in Franken?».
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Grosse Namen sind Marken👟 – keine Renditegarantie
Nike und Adidas verkaufen dir kein besseres Laufen. Sie verkaufen dir Zugehörigkeit. Das ist legitim, das ist Marketing, und es funktioniert.
Beim Wein läuft es gleich. Im Blindtest schmeckt die teure Flasche oft nicht besser als die günstige. Was besser schmeckt, ist das Preisschild – im Kopf.
In der Finanzbranche ist es genau dasselbe, nur teurer. Ein grosser Name, eine Adresse an der besten Lage, Marmor im Empfang: Das alles impliziert Erfolg. Liefern muss es sie nicht. Und leider liefert es sie oft auch nicht.
Dein Vorteil, wenn du das verstehst: Du hörst auf, nach dem schönsten Logo zu suchen, und beginnst, nach den tiefsten Kosten und der klarsten Strategie zu fragen. Das ist der Punkt, an dem Vermögensaufbau anfängt.
«Bester Vermögensverwalter Schweiz»🏆 – kein echter Vergleich
Jedes Jahr erscheinen Listen mit den «besten Vermögensverwaltern der Schweiz». Sie sehen aus wie Wissenschaft. Aus meiner Sicht sind sie es selten.
Warum ich solche Ranglisten mit Vorsicht lese:
- Die Teilnahme ist teils an Bedingungen oder Gebühren gebunden. Wer nicht mitmacht, kommt nicht vor – egal, wie gut er arbeitet.
- Sponsoring, Medienpartnerschaften und Werbebudgets können mitspielen. Nicht immer. Aber du siehst es von aussen nicht.
- Verglichen wird oft nicht dasselbe: andere Strategie, anderes Risiko, andere Periode.
Ein echter Vergleich wäre für mich, wenn alle mit gleich langem Spiess verglichen würden. Kleine wie Grosse. Ohne Eintrittsgeld. Gleiche Strategie, gleiches Risiko, gleiche Periode, Kosten inklusive.
Ich halte deshalb wenig von Auszeichnungen und viel von Kontoauszügen. Dein Nutzen: Du brauchst kein Ranking, wenn du eine Checkliste hast. Diese bekommst du weiter unten.
Guter Boden 🌱 statt Glaskugel: was wirklich zählt
«Wir kennen den Markt und sind der Börse einen Schritt voraus.» Diesen Satz habe ich hundertmal gehört. Niemand ist der Börse dauerhaft einen Schritt voraus. Niemand hat eine Glaskugel – ich auch nicht.
Was dagegen zuverlässig wirkt, ist unspektakulär und darum so wenig verkäuflich:
- Tiefe Kosten. Jedes gesparte Prozent landet bei dir, nicht im Marmor.
- Breite Streuung. Nicht alles auf ein Pferd, sondern auf den ganzen Markt.
- Klare Regeln. Vorher festgelegt, damit du im Sturm nicht improvisieren musst.
- Transparenz. Du weisst jederzeit, was du besitzt und was es kostet.
- Begleitung im richtigen Moment. Vor allem dann, wenn es weh tut.
Stell dir dein Depot als Garten vor. Wenn der Boden ausserordentlich gut ist – tiefe Kosten, breite Streuung, klare Regeln –, musst du die Frucht nur noch begleiten. Kein Zaubern, kein Hektik-Umtopfen. Die Ernte ist dann überdurchschnittlich, weil der Boden stimmt.
Wer dagegen seinen Garten nicht hegt oder jedes Jahr umpflanzt, düngt, austauscht und neu ausrichtet, hat viel Arbeit, hohe Kosten und wenig Früchte. Das ist der Vermögensvernichter im Gartenkittel.
3 Fälle aus meinem Beratungsalltag
Wenn ich nach der Analyse bei der Besprechung der Kundendepots nicht so wirklich weiss, was ich sagen soll – denn auch ich kann mich irren –, sollte bei meinem Kunden zumindest Vorsicht walten oder eine gesunde Skepsis. Das gilt auch gegen mich, ich bin auch nicht allwissend. Denn ich hasse es, wenn mich der Kunde ein paar Monate später anruft und sagt «du hattest recht mit deiner Einschätzung». Ich könnte stolz sein, doch das bedeutet, dass meine Kunden Geld verloren haben, und das bringt niemanden wirklich weiter. Drei Beispiele – bewusst ohne Namen.
Fall A – Obligationen, die nie zurückkamen. Im Depot lagen einzelne Anleihen mit hübschem Coupon in CHF. Der Coupon kam, der Nominalwert am Ende nicht. Lernpunkt: Bei Einzeltiteln trägst du das Ausfallrisiko allein. Ein Klumpenrisiko heisst: zu viel Geld auf zu wenige Namen. Und die Bank haftet in der Regel nicht für den Ausfall, sondern nur für die korrekte Beratung – ein grosser Unterschied.
Fall B – Depot bei einer namhaften Regio-Bank, gleiche Strategie und gleiche Kosten, aber komplett anderes Ergebnis. Lernpunkt: Gleiche Strategie, gleiche Kosten auf dem Papier heisst nicht gleiches Resultat im Portemonnaie. Jeder kocht mit Wasser, doch nicht jeder gleich gut.
Fall C – Mehrere Millionen Depot aus einer Erbschaft. Der Kunde war zwar skeptisch mit seinem Vermögensverwalter, doch der Schaden war bereits angerichtet. Es blieb die Hoffnung – aber Hoffnung ist keine Strategie, und Glück kein Plan. Das Depot wurde grösstenteils in illiquide Anlagen investiert; das Geld wurde nicht zurückbezahlt. Wenn überhaupt noch etwas kommt, dann nur Bruchteile. Mehrere Millionen sind einfach verpufft. Für den Kunden bin ich jetzt fast ein „Guru“. Ganz ehrlich: Mir wäre lieber, sie hätten ihre Millionen behalten und wären keine Kund:innen von mir. Ich darf nun mein Bestes geben – daran habe ich richtig Freude, und der Kunde mittlerweile auch.
Ich erzähle das nicht, um jemanden anzuprangern. Ich erzähle es, damit du diese Muster erkennst und dir die richtigen Fragen stellst. Habe ich einen Verwalter, Vermehrer oder Vernichter – und wie unterscheide ich das eine vom anderen?
Robo Advisor Schweiz: geniales Geschäftsmodell, jedoch zum Beobachten
Seit rund 2008 gibt es digitale Vermögensverwalter, sogenannte Robo Advisor. Es klingt logisch: Der Computer macht es emotionslos, günstig, rund um die Uhr.
Die bekanntesten Robo Advisor in der Schweiz
| Anbieter | Besonderheit | Gesamtkosten p.a. (ca.) |
|---|---|---|
| VIAC Invest | Aus der 3a-Welt gewachsen, aktuell einer der günstigsten | 0,46 – 0,49 % |
| finpension Invest | Sehr tiefe Produktkosten, mehrere Portfolios möglich | 0,47 – 0,49 % |
| findependent | Schweizer App für kleine Beträge | 0,57 – 0,60 % |
| True Wealth | Grösster unabhängiger Anbieter, über 45’000 Kunden und mehr als CHF 2,5 Mrd. | 0,62 – 0,71 % |
| Selma Finance | Digitale Finanzplanung plus Anlage | ca. 0,90 % |
| Inyova | Impact Investing mit Einzelaktien statt ETFs | ca. 1,20 % |
Dazu kommen die Angebote von Banken und Brokern: Swissquote Invest Easy, PostFinance E-Vermögensverwaltung, clevercircles (Bank CIC), Digifolio (BLKB), Raiffeisen Rio, wiLLBe (LLB), Volt by Vontobel, Descartes Finance, Simplewealth, Everon, Radicant, Alpian und Migros Bank. Übrigens: Angebote verschwinden auch wieder. Der «Investomat» der Glarner Kantonalbank oder «Kaspar&» sind Beispiele dafür, dass ein hübsches App-Design keine Garantie für Beständigkeit ist.
Ein Algorithmus macht exakt das, was ihn jemand programmiert hat. Nicht mehr. Ein Robo Advisor ist so gut wie die Annahmen dahinter – und Annahmen basieren auf dem, was man kennt.
Mir ist keine belastbare Studie bekannt, die zeigt, dass Robo Advisor dauerhaft besser abschneiden als eine einfache, kostengünstige Strategie. Seriös vergleichen lässt es sich ohnehin kaum: Jeder Anbieter streut anders, gewichtet anders und stellt anders zurück auf die Zielquote – das nennt sich Rebalancing.
Wie fragil Modellvertrauen sein kann, zeigt Long-Term Capital Management. 1998, Nobelpreisträger im Team, brillante Mathematik. Dann kamen die Russland-Krise und die Abwertung des Rubels, und das Kartenhaus fiel. Die UBS erlitt dabei schwere Verluste in der Grössenordnung von rund CHF 1 Mrd. (Quelle)
Und die Kosten? Ein Robo kostet meist deutlich mehr als ein breit gestreuter ETF, den du selbst hältst – bei ziemlich ähnlicher Grundlogik. Der TER ist dabei die jährliche Gesamtkostenquote eines Fonds; sie wird dir nie separat in Rechnung gestellt, sondern direkt von der Rendite abgezogen.
Als Geschäftsmodell finde ich Robo Advisor genial: skalierbar, schlank, digital. Als Renditeversprechen finde ich sie überschätzt.
Der grösste Vermögensvernichter heisst Verhalten & Hoffnung
Jetzt kommt der Teil, der wehtut. Der teuerste Fehler im Depot ist meistens nicht das Produkt. Es ist der Mensch davor.
Gekauft wird im Hoch, wenn alle euphorisch sind. Verkauft wird im Tief, wenn die Zeitungen schwarz sind. Zwei Klicks, und Jahre an Rendite sind weg.
Vanguard beziffert in der Untersuchung «Advisor’s Alpha» den Mehrwert guter Begleitung in der Grössenordnung von rund 3 % pro Jahr!
Schau nochmals in die Tabelle oben und rechne 3 % über 30 Jahre. Genau.
Ein guter Anlageberater verkauft dir also keine Glaskugel. Er sorgt dafür, dass die Kosten tief sind, die Qualität hoch, die Regeln klar – und dass du jemanden hast, den du jederzeit fragen kannst, wenn es rumpelt. Denn rumpeln wird’s, die Frage ist nur wann.
Checkliste: So findest du deinen Vermögensberater
- Wie hoch sind die Gesamtkosten pro Jahr in Franken – schriftlich, alle Positionen einzeln ausgewiesen?
- Wie breit ist mein Depot gestreut – gibt es Klumpenrisiken bei Einzeltiteln oder Branchen?
- Gibt es eine schriftlich festgelegte Anlagestrategie, an die sich der Berater auch in stürmischen Zeiten hält?
- Kann ich jederzeit transparent sehen, was ich besitze und was es mich kostet?
- Wie reagiert der Berater im Krisenmoment – erreichbar, ruhig, faktenbasiert statt hektisch?
- Erfolgt die Beratung unabhängig, auf Honorarbasis und ohne versteckte Provisionen?
🚀 Dein nächster Schritt: einmal Klarheit, dann Ruhe
Du musst nicht alles über Finanzmärkte wissen. Du musst nur wissen, wen du fragst.
Schick mir deinen Depotauszug, und wir schauen ihn gemeinsam an: Kosten in Franken, Streuung, Strategie, Risiko. Danach weisst du, ob dein Geld Überstunden macht – oder nur das Minimum.
Unabhängig, auf Honorarbasis, ohne Produktverkauf. Jetzt Termin für den Depot-Check sichern: Terminbuchung für Erstgespräch
FAQ
Was kostet Vermögensverwaltung in der Schweiz?
Je nach Anbieter fallen typischerweise Verwaltungsgebühr, Produktkosten, Depotgebühren und Handelskosten an. Entscheidend ist nicht die einzelne Zahl, sondern die Summe pro Jahr in Franken. Lass dir alle Kostenblöcke schriftlich einzeln ausweisen. In der Regel zwischen 1.5–2.5 %, einige auch mit Erfolgsbeteiligung.
Wie erkenne ich einen guten Vermögensverwalter?
An Transparenz, tiefen Gesamtkosten, einer schriftlichen Strategie und daran, wie er im Krisenmoment reagiert. Ranglisten und Auszeichnungen sagen darüber wenig aus. Nutze meine Checkliste statt eines Logos. Im Zweifelsfall kontaktiere mich.
Sind Robo Advisor besser als ein Anlageberater?
Ein Robo Advisor ist so gut wie seine Programmierung und meist teurer als ein selbst gehaltener, breit gestreuter ETF. Mir ist keine belastbare Studie bekannt, die eine dauerhafte Überlegenheit zeigt. Für Verhaltensfehler in Krisen ist ein Mensch oft die günstigere Versicherung. Bekannte Anbieter sind finpension Invest, findependent, True Wealth und Inyova, im Ausland Betterment, Wealthfront, Vanguard Digital Advisor, Nutmeg, Moneyfarm und Scalable Capital.
Wie viel bringt 1 % mehr Rendite pro Jahr?
Bei CHF 100’000 und 30 Jahren sind es rund CHF 245’040 mehr Endvermögen (8 % statt 7 %). Das entspricht rund einem Viertel des Endbetrags. Genau deshalb sind Kosten und Leistung die wichtigsten Hebel.
Lohnt sich Honorarberatung?
Sie lohnt sich, wenn die eingesparten Produkt- und Provisionskosten sowie die vermiedenen Fehler höher sind als das Honorar. Bei Vermögen im sechsstelligen Bereich und darüber ist das häufig der Fall. Rechne es für deine Situation einmal durch, statt es einfach zu glauben.
Disclaimer und Klarstellung
Dieser Blogbeitrag wurde von niemandem bezahlt und spiegelt ausschliesslich meine persönliche Meinung wider.
Kapitalanlagen sind mit Risiken verbunden und können im schlimmsten Fall zum kompletten Verlust des eingesetzten Kapitals führen. Es ist dein Geld – nimm dir die Zeit, dich gründlich zu informieren. Dies ist keine Anlageberatung. Anlageberatungen erfolgen ausschliesslich persönlich und individuell.
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